Stefan Jahnel statt Jörg Fischer!

Wir weisen darauf hin, mit der Veranstaltung, bei der der umstrittene "Aussteiger" Jörg Fischer als Referent auftritt (wer bezahlt den/das?), nichts zu tun zu haben! Wir, die "Unabhängigen Studierenden", laden stattdessen den ohne jeden Zweifel aus der rechtsextremen Szene ausgestiegenen Autoren Stefan Jahnel ein.

Insider stehen Fischer äußerst skeptisch gegenüber:  "Bei seinem Namen spucken die Nazis leider keineswegs Gift und Galle. In der Antifa-Szene munkelt man Anderes. Wir wissen nicht, ob das stimmt, stellen daher keine Tatsachenbehauptung auf. Jörg Fischer war neun Jahre Aktivist in der Neonaziszene. Er leistete Aufbauhilfe für die NPD, gehörte zu den Mitbegründern der DVU und war Redakteur der "National-Zeitung". Er machte zwar keine Karriere in der Szene, lernte auch nicht die wichtigen Führungsfiguren kennen, wußte aber, wie er Menschen manipulieren kann. Wenn J.F. heute von seiner Geschichte spricht, erzählt er aber nicht nur langatmig, wie er zum Nazi wurde und welche Erfahrungen er in der Szene gemacht hat. Fischer bemüht sich sichtlich, den Eindruck zu erwecken, dass er mit ihr gebrochen hat und ausgestiegen ist. Allein, uns fehlt der Glaube…

"Es dauerte, bis ich Menschen als Menschen sehen konnte" sagt er heute, hat sich aber leider von einem Extrem (rechts) zum anderen (links) hin orientiert. Dass er zu den "ganz wenigen Aussteigern" gehört, die ihr damaliges Denken und Handeln nicht nur kritisch hinterfragen, sondern auch aktiv gegen den wieder auflebenden Nazismus vorgehen -das bezweifeln wir. Ist es ihm bei Veranstaltungen auch wirklich wichtig, auf kritische Fragen einzugehen, wie man den Rechtsextremismus wirksam bekämpfen und was jeder und jede Einzelne dabei machen kann? Angesichts des bevorstehenden Neonaziaufmarsches am 18.02. gewinnt diese Frage, wem da leichtfertig ein Podium bzw. Forum geboten wird, besonders an Aktualität. Sinnvoller ist da schon das, was Jahnel zu bieten hat:

Am 18. Februar (Beginn 19.15 Uhr, Ort auf Anfrage an pyne@uni-muenster.de) wird es eine Lesung aus seinem vielbeachteten Werk "Mythos Neonazi" geben:

Er war 1 Jahrzehnt in der rechtsextremistischen Szene tätig, bevor er erkannte, dass der Nationalsozialismus ein menschenverachtender Irrweg ist. Heute engagiert Stefan Jahnel sich mit all seiner Kraft gegen demokratiefeindliche Bestrebungen. Seine Botschaft: „Links ist das Gegenteil von Rechts. Aber Freiheit ist das Gegenteil von Totalitarismus“. Sein Ideal: „Jedem Menschen möglichst viel Freiheit einräumen.“

Statt „Deutscher Leitkultur“ setzt er auf „Kultur der Toleranz“. Toleranz ist für ihn nicht nur etwas, das man einfordert, sondern das man selber auch gewähren muss. Es gilt das urliberale Motto: „Die Freiheit endet dort, wo sie die Freiheit eines anderen einschränkt." Den Ansatz der unabhängigen Studierenden von LISTE 6, die Hand in Hand für jene Freiheit (der Lehre, Forschung, Versammlung, Rede, Meinung und Presse) eintreten, nennt Jahnel "beispielhaft". "Bei meinen Auftritten in ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland verweise ich auf die vorbildlichen Aktivitäten der Hochschulgruppe US!"

Mit zahlreichen Vorträgen betreibt Jahnel eine intensive Aufklärungsarbeit über die rechte Szene. Dabei kann er stets auf ein vielfach verblüffendes Fachwissen zurückgreifen. Schließlich war er vor seinem Ausstieg über 10 Jahre involviert, unter anderem in der Führungsebene verschiedenster Neo-Nazi-Organisationen. Er war Geschäftsführer des Landesverbandes Bayern der FAP und Bundesschatzmeister der Nationalen Offensive sowie Mitglied des Komitees Adolf Hitlers (KAH). Alle Organisationen wurden mittlerweile verboten. Nun tritt der Referent dafür ein, dass solche Organisationen nicht neu gegründet werden, z. B. an den grössten deutschen Hochschulen: "Nachdem die Neonazis nun durch ihre Wahlerfolge in Sachsen und Brandenburg Rückenwind haben, drängen sie auch an die Hochschulen. Nach dem Kampf um die Strasse und die Parlamente wollen sie den um die Köpfe gewinnen."

Dabei geht es ihm nicht nur um eine chronologisches Aufzählen von Geschichten. Er versteht es, anhand seines eigenen Beispiels die Wirkmechanismen in der rechten Szene aufzuzeigen. Das geht weit über das „Ich war jung, dumm und hatte schlechte Freunde“ hinaus. Er versteht sich auch darauf, dem Außenstehenden zu erläutern, warum sich junge Menschen einem totalitären Weltbild verschreiben. Noch wichtiger: Er beschreibt Auswege aus diesen mentalen Fallen und zeigt Argumentationsansätze auf, mit denen es möglich ist, rechtsextreme oder vom Rechtsextremismus gefährdete Jugendliche von ihren Irrtümern zu überzeugen.

Seit seinem Ausstieg ist er als Journalist tätig, war unter anderem redaktionell verantwortlich für ein Jugendmagazin. Ebenso wichtig ist ihm das Thema Völkerverständigung. O-Ton Stefan Jahnel: „Andere Kulturen nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung erleben -darauf kommt es mir an.“

Dabei setzt sich Stefan Jahnel nicht nur bei Diskussionsveranstaltungen wie der am 15.2., sondern auch in vielen anderen Bereichen aktiv für den Dialog der Kulturen ein. Er berichtete im Rahmen seiner journalistischen Tätigkeit selbst während Eskalationsphasen des Jugoslawienkrieges aus Bosnien und dem Kosovo. Er organisierte nicht nur Spenden für Rumänien, Albanien und den Kosovo, sondern begleitete auch mehrfach Transporte in diese Region.

Stefan Jahnel ist ebenfalls im asiatischen Raum tätig. Seine Frau (s. Foto) gehört dem Volk der Karen an. Eines seiner Ziele ist es, gerade vergessene Konflikte wie im Grenzland von Birma (Myanmar) an das Licht der Öffentlichkeit zu holen, sowie Unterstützung für Flüchtlinge zu organisieren. Kürzlich konnten auf seine Vermittlung einer thailändischen Schule in einem Minderheitengebiet drei Computer zur Verfügung gestellt werden. Und anders als bei Jörg Fischer empfindet der TV-Zuschauer, Radio-Hörer oder Diskussions-Gast bei Jahnels Auftritten Sympathie, kann sich in die Lage des rhetorisch begabten jungen Mannes hineinversetzen.

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10 Antworten to “Stefan Jahnel statt Jörg Fischer!” »»

  1. Kommentar by Kenner der Szene | 02/11/06 at 12:12

    Ach sieh an, der überschätzte Jörgi spielt sich wieder auf, macht sich wichtig, versucht sich als Blender von Jugendlichen. Weiß die Leitung des PG, wen sie da in ihrem Hause reden lässt?

  2. Kommentar by Jacqueline Storck | 02/11/06 at 12:32

    http://www.beucker.de/2003/tk03-12-12a.htm ist in diesem Zusammenhang höchst aufschlussreich über einen, der das Fähnchen immer in den Wind hängt. Jörg Fischer einzuladen, war ein glattes Eigentor des FH AStA. :(

  3. Kommentar by Tanja Krienen | 02/13/06 at 13:15

    Richtig! Fischer hat jetzt ein Buch über die rechte Homoszene geschrieben und man ahnt, dass es gleichzeitig eine unterschwellige Werbung ist. Er ist ja auch Skinhead – ein linker natürlich, wie er betont. Fakt ist, dass er weiterhin alles adaptiert, was früher für ihn wichtig war – nur unter umgekehrten Vorzeichen. Auch ist er Mitglied des whk. Für Infos und Kenntnis/Verbreitung von Gegenaktionen mail@tanjakrienen.de Grüße, Tanja Krienen

  4. Kommentar by Klaudia | 02/13/06 at 21:21

    kein wunder, wenn keiner von den normalen Menschen aus der breiten Bevölkerung mit den radikalen Linken zusammenarbeiten will, wenn sie das Engagement anderer Antifaschisten, die ihnen nicht links genug bzw. “zu bürgerlich” sind, nieder machen. Bleibt euch treu und biedert euch bei rotem Terror ebensowenig an wie bei braunem Terror.

    Die Kritik an dem Jörg Fischer kommt zwar zugegebenermaßen übrigens auch aus obskuren Quellen wie bzw von Burkhard “burks” Schröder ( http://inidia.de/burks.htm oder http://www.peter-kratz.de/aktuell17.htm ) . Aber eben a u c h und nicht etwa n u r ! Alles in allem wären FH und Uni asta gut beraten, auf einen Typen wie Jörg Fischer nicht reinzufallen. Axel und Sascha lachen sich sonst ins Fäustchen ob der Steilvorlage. :(

  5. Kommentar by the No. 1 | 02/14/06 at 16:26

    "Mythos Neonazi" (ISBN 3-937034-63-3) habe ich letztens erst im Unterricht gelesen. Ein spannendes Buch, nicht so langweilig wie die Schinken von Fischer oder Hasselbach.

  6. Kommentar by eine pg besucherin | 02/15/06 at 22:15

    nabend allerseits

    dass es so leicht gelingen wuerde, das laecherliche joergl aus der fassung zu bringen und dem armen herrn die kappe vom gesicht zu reissen, haette ich nicht fuer moeglich gehalten.

    weder auf harrys, noch auf maggys, noch auf erics frage hat er eine vernuenftige, sachliche antwort zustandebekommen. wenn auch noch nobby gefragt haette, waere ’s joergl wahrscheinlich aus den latschen gekippt. ihr habt also gerade noch rechtzeitig die verbale handbremse gezogen. mein gott, musste fischer so hysterisch reagieren und gleich schreien? ja, fast kreischen? die armen jugendlichen die fuer ihn als claqueure rekrutiert wurden!

    meine guete, was macht er jetzt nur? es waren keine homophoben, keine nazis, keine antisemiten, sondern es waren gegen neonazis aktive menschen, die da allen mut zusammengenommen haben, um ihn zu kritisieren und zweifel an ihm zu zitieren. es ist ein gewaltiger flop fuer die asten gewesen! und ein flop fuer little joerg, der kein einziges buechlein los wurde.

    wo ich aber am ende sogar mitleid mit fischer hatte, war, als die kiddies vom jugendzentrum ihn nach der veranstaltung nachgeaefft und veralbert haben. das hatte selbst ’s joergl nicht verdient. bye cu

  7. 42
    Kommentar by 42 | 02/15/06 at 22:38

    http://www.campodecriptana.de/blog/2005/04/04/99.html zum Ersten, bitte zur Kenntnis nehmen.

  8. 42
    Kommentar by 42 | 02/15/06 at 22:40

    http://www.campodecriptana.de/blog/2005/03/07/40.html zum Zweiten, bitte gleichfalls zur Kenntnisnahme.

  9. Kommentar by Antiburks | 03/18/06 at 11:04

    Erkentnisse über Burkhard (Burks) Schröder. Doch lesen Sie selbst: http://www.montagsdemo.net/wiki/index.php/Burks

  10. Kommentar by Detlef Nolde | 05/18/06 at 10:18

    Ich war in derselben Bewegung und Partei wie Stefan Jahnel. Und wir kommen miteinander klar und respektieren uns – egal, welche politische Entwicklung oder Meinung jeder nach seinem Ausstieg aus der braunen Denke und dem dazugehörigen Milieu gen- oder angenommen hat. So war zumindest mein Eindruck bis dato.

    Auch weiß ich aus eigenem Erleben, wie nachhaltig völkische Denkmuster ihre Wirksamkeit entfalten, weshalb der ganze Prozeß als ein fließender betrachtet werden kann. Jede Persönlichkeit muß hier individuell betrachtet werden, nicht mit der eigenen Schablone.

    Genau das tat zum Beispiel Jörg Fischer mir gegenüber, als er meine vor Jahren geäußerte Meinung zum Zionismus zum Anlaß nahm, mich als “angeblichen Aussteiger” zu betiteln, allerdings erst, nachdem ihm seine “Kollegen” vom IDgR alles vorgegeben haben. Wer nicht so dachte wie er, war kein “richtiger” Nazi-Aussteiger. Ob das Stefan Jahnel, Jan Zobel oder meine Wenigkeit betrifft.

    Wenn er nun ein wenig Gegenwind bekommt, könnte ihn das vielleicht zur Besinnung bringen, etwas ruhiger zu treten, seine Selbstherrlichkeit abzulegen, mit der er gerne über andere urteilt.

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